MSN Sport
05.08.2012, 17:36

DSV-Bilanz nach dem Olympia-Debakel

"Wir sichten mehr Karpfen statt Delfine": Personaleinschnitte bleiben dennoch aus

An der Struktur liegt es, jedoch nicht an einzelnen Personen. Der Deutsche-Schwimmverband (DSV) hat am Sonntag Bilanz gezogen, nach dem historischen Debakel im olympischen Schwimmbecken.

Kein Stühlerücken auf Funktionärsebene: Jürgen Fornoff, Christa Thiel und Lutz Buschkow (v.l.).
Kein Stühlerücken auf Funktionärsebene: Jürgen Fornoff, Christa Thiel und Lutz Buschkow (v.l.).
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Erstmals seit 1932 waren die deutschen Athleten ohne jegliche Medaille geblieben. Leistungssportdirektor Lutz Buschkow wird dennoch im Amt bleiben, obwohl externe Experten dem DSV einen radikalen Neuaufbau nahelegen.

"Es geht nicht um die Personalie des Sportdirektors, definitiv nicht", hielt DSV-Präsidentin Christa Thiel am Sonntag fest und stützte damit unter anderem Buschkow, der seit vier Jahren im Amt ist. Buschkow selbst antwortete auf die Frage nach einem möglichen Rücktritt kurz und knapp: "Nein."

Ex-Bundestrainer Dirk Lange, mit Südafrika in London erfolgreich, sowie unter anderem auch der ehemalige Olympiasieger Michael Groß ("Schlimmer geht es nimmer. Was der DSV braucht, ist eine Revolution.") hatten personelle Konsequenzen gefordert. Doch: "Es ist nicht das Versagen einer einzelnen Person, sondern vielmehr ein strukturelles Problem", meinte Generalsekretär Jürgen Fornoff.

Präsidenten Thiel, seit 2000 im Amt, sieht sich "nicht nur für die Beckenschwimmer" verantwortlich und bleibt deshalb auch auf ihrem Posten. Zur Wiederwahl im November tritt die 58-Jährige an. Ihre Bilanz: Nach fünf Medaillen 2004 und zwei 2008 holten die Schwimmer nun gar kein Edelmetall mehr. Bei diesmal acht Finalteilnahmen.

Eine Analyse der sportlichen Situation blieb freilich nicht aus. Buschkow erläuterte: "Wir haben in der Mehrzahl der Disziplinen den Anschluss an die Weltspitze verloren." Die Gründe: "Keine stabile Wettkampfstruktur", "zu viele Experimente", "zu geringe Grundlagenausdauer", fehlende "allgemeine athletische Voraussetzungen", "keine psychische Wettkampfhärte", zu lange Erholungsphasen. Und: ein Nachwuchsproblem - "wir sichten vielleicht mehr Karpfen als Delfine in Richtung Weltspitze".

Buschkows Fazit klang reichlich ernüchtert und fast schon hilflos: "Wir haben den Steuerungsprozess nicht im Griff." Dass sich die durchschnittliche Platzierung der deutschen Frauen im Vergleich zu den Spielen von Peking von 21 auf 13,7 und bei den Männern von 25 auf 12,6 verbessert habe, mutet in diesem Zusammenhang fast schon skurril an.

Ich fand's echt geil, das anzugucken. Das ist für mich Gänsehaut. Steffen Deibler macht die deutsche Zuschauerrolle mehr als deutlich

Für das Bundestrainer-Amt lägen "waschkorbweise" Bewerbungen vor, sagte Thiel und fügte an: "Wir werden jetzt nicht wieder den nächsten Guru suchen." Ob es der Essener Stützpunkttrainer Henning Lambertz wird? "Es muss einer sein, der das kann", sagte Buschkow.

Den Leitfaden sollen die erfolgreichen Franzosen geben, die unter anderem durch Jungstar Yannick Agnel für Furore sorgten und gleich viermal Gold, zweimal Silber und einmal Bronze eintüteten. Thiel habe sich die französische Strategie weiterreichen lassen. Jedoch: "Dort ist alles sehr zentralistisch, und der Staat gibt im Jahr sieben Millionen." Die deutschen Schwimmer haben etwa die Hälfte für alle Abteilungen zur Verfügung. Und ob es künftig weiterhin soviel sein wird, ist offen. Die Zielvorgabe (sechs Medaillen) haben die deutschen Schwimmer jedenfalls klar verfehlt. Schlechtes Resultat, weniger Kohle? "Das macht keinen Sinn", so Fornoff.

Ratschläge aus dem Lager der Aktiven werden offenbar nicht gehört. Zumindest hielt Britta Steffen fest: "In Amerika ist man ein Held, wenn man im Sport gut ist, dann kann man sich sein Studium damit finanzieren. Man sollte vielleicht mit den Experten die ganzen Systeme mal analysieren. Aber ich bin nur ein dummes Sportlerchen." Vielleicht wechselt die deutsche Vorschwimmerin ja in Kürze ins Lager der Funktionäre - und wird dann gehört.


Die deutschen Finalteilnehmer im Schwimmen im Überblick

Frauen: Britta Steffen (Berlin) 50 m Freistil, 4.
Männer: Steffen Deibler (Hamburg) 100 m Schmetterling, 4.; 4x200 m Freistil (Paul Biedermann/Halle/Saale, Dimitri Colupaev/Mainz, Tim Wallburger/Berlin, Clemens Rapp/Bad Saulgau), 4.; Paul Biedermann (Halle/Saale) 200 m Freistil, 5.; Helge Meeuw (Magdeburg) 100 m Rücken, 6.; 4x100 m Lagen (Helge Meeuw/Magdeburg, Christian vom Lehn/Wuppertal, Steffen und Markus Deibler/beide Hamburg), 6.; 4x100 m Freistil (Benjamin Starke/Berlin, Markus Deibler/Hamburg, Christoph Fildebrandt/Wuppertal, Marco Di Carli/Frankfurt/Main), 6.; Markus Deibler (Hamburg) 200 m Lagen, 8.

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