MSN Sport
04.02.2012, 22:02

Gelingt Gabun ein weiterer Streich?

Zwei Mal 3:0 - Sambia und "Elefanten" weiter

Im Schatten der Tragödie in Ägypten finden am Wochenende die Viertelfinalspiele beim Afrika-Cup statt. Mit Schweigeminuten vor den Partien werden die Spieler den schrecklichen Ereignissen gedenken. Der Topfavorit Elfenbeinküste hatte mit Äquatorial-Guinea leichtes Spiel, der zweite Co-Gastgeber Gabun trifft auf Mali. Mit Ghana und Tunesien stehen sich zwei alte Bekannte gegenüber, im Duell der Überraschungsteams setzte sich Sambia klar gegen den Sudan durch.

Afrika-Cup im Schatten der Ägypten-Tragödie

Seit Mittwochabend ist es mit der ausgelassenen Stimmung beim Afrika-Cup in Gabun und Äquatorial-Guinea vorbei. Die schrecklichen Ereignisse von Port Said mit über 70 Toten kann keiner der Beteiligten ausblenden. Bei ihrem nächsten Spiel würden die Gedanken den Opfern gelten, versprach Gabuns Stürmer Daniel Cousin. "Bei jeder dieser Tragödien hoffst du, es sei die letzte. Wir werden an die Menschen denken, die gestorben sind, wenn wir am Sonntag auf das Spielfeld laufen."

Besonders betroffen sind die Spieler Tunesiens, der letzten verbliebenen nordafrikanischen Mannschaft: Was in Ägypten passiert ist, sei "furchtbar", sagte Mittelfeldspieler Hocine Ragued. "Das sind unsere Brüder: Algerien, Marokko, Tunesien, Ägypten - sie sind alle gleich." Tunesien will nun helfen, dass der Fußball in Afrika wieder in den Mittelpunkt rückt.

Äquatorial-Guinea: Chancenlos gegen die "Elefanten"

Geschafft: Die Elfenbeinküste steht dank Didier Drogba im Halbfinale.
Geschafft: Die Elfenbeinküste steht dank Didier Drogba im Halbfinale.
© Getty Images Zoomansicht

Der Topfavorit hat das Halbfinale erreicht und gleichzeitig Co-Gastgeber Äquatorial-Guina aus dem Turnier geworfen. In Malabo setzte sich die Elfenbeinküste klar mit 3:0 im Viertelfinale durch. Der Sieg ging in jeder Hinsicht in Ordnung, zu deutlich war die Überlegenheit der "Elefanten". Überragender Akteur war einmal mehr Didier Drogba, der gleich zwei Tore zum Sieg beisteuerte.

Den Auftakt hätte Drogba bereits in der 29. Minute machen können: Nach einem an ihm verschuldeten Foulelfmeter trat der Stürmerstar des FC Chelsea selbst am Elfmeterpunkt an, scheiterte dann aber an Keeper Danilo. Den ganzen Frust über seinen Fehlschuss durfte er dann bei seinem Treffer in der 36. Minute abbauen: Nach einem Fehlpass von Rui umspielte Drogba im Strafraum kraftvoll noch zwei Gegenspieler und vollendete mit einem strammen Flachschuss zum 1:0 (36.).

Kurz vor der Pause hatte der Gegner die beste Chance zum Ausgleich, doch Barry konnte den harten Schuss aus 20 Metern von Randy noch über das Tor lenken. Doch der ansatzweise vorhandene Schwung vor dem Seitenwechsel hielt nach dem Wiederanpfiff nicht an und Drogba machte schließlich mit einem wuchtigen Kopfball alles klar (69.). Ein sehenswerter Freistoßtreffer von ManCitys Mittelfeldstar Yaya Touré sorgte schließlich für den 3:0-Endstand.

Sudans Tahir Osman Mohamed (re.) hatte am Ende das Nachsehen gegen Sambia (hier mit Davies Nkausui, li.).
Sudans Tahir Osman Mohamed (re.) hatte am Ende das Nachsehen gegen Sambia (hier mit Davies Nkausui, li.).
© getty images Zoomansicht

Zum Auftakt am Samstagabend (17 Uhr MEZ) standen sich in Bata mit Sambia und Sudan zwei Überraschungsteams gegenüber. Das favorisierte Sambia, das die Vorrunde ohne Niederlage überstand und in der FIFA-Weltrangliste weit vor dem Sudan notiert ist, setzte sich schließlich klar mit 3:0 durch. Sunzu (15.) brachte sein Team mit einem Kopfballtreffer auf Kurs. Vorentscheidend war dann die Szene in der 65. Minute, als Saifeldin einen Strafstoß verursachte und dafür mit Gelb-Rot vom Platz musste. Chris Katongo, einst für Arminia Bielefeld aktiv, verschoss zwar zunächst vom Punkt, sein Nachschuss zum 2:0 saß aber. Chamanga nahm schließlich in der 86. Minute Maß und traf von der Strafraumgrenze aus zum 3:0-Endstand ins rechte untere Eck.

Rohr baut auf Aubameyang

Gernot Rohr und Pierre-Emerick Aubameyang
Gabuns Nationalcoach Gernot Rohr gibt letzte Anweisungen an seinen Star Aubameyang (re.).
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Den Sonntag eröffnet dann das Überraschungsteam Gabun mit der Partie gegen Mali. Der vom deutschen Trainer Gernot Rohr gecoachte Co-Gastgeber konnte alle drei Vorrundenspiele gewinnen und überzeugte besonders mit Disziplin. Zudem hat Gabun mit Pierre-Emerick Aubameyang (AS St. Etienne) einen ebenso spektakulären wie gefährlichen Angreifer in seinen Reihen. Der 21-Jährige mit der Irokesenfrisur ist der einzige Spieler bisher, der drei Tore aus dem Spiel heraus erzielt hat. "Wir haben keine Angst. Nichts ist unmöglich, wenn man an sich glaubt und gemeinsam kämpft", gibt der gebürtige Mannheimer Rohr die Devise für die Partie gegen Mali aus.

Mali konnte sich erst im letzten Moment für das Viertelfinale qualifizieren. Freiburgs Dembélé war mit seinem Tor beim 2:1 über Botsuana einer der Garanten für das Weiterkommen des Teams des französischen Trainers Alain Giresse.

Den Abschluss bestreiten dann am Abend Ghana und Tunesien. Die "Black Stars" werden neben der Elfenbeinküste als Topfavorit auf den Titel genannt und überstanden die Vorrunde souverän, ohne dabei aber zu glänzen. Nationalcoach Goran Stevanovic hat den personellen Umbruch vollzogen und vertraut den jungen Spielern. Etlichen Akteuren, die im Jahr 2009 U-20-Weltmeister wurden, ist der Sprung in das A-Team gelungen. Lediglich in der Verteidigung stehen mit Mensah und Paintsil noch die "alten Haudegen" ihren Mann. Der Rücktritt des Rekordspielers Kingson hinterließ im Tor aber eine Lücke, auch das Fehlen des verletzten Superstars Essien (Chelsea) ist zu spüren.

Wir als Tunesier wollen ein Zeichen für Maghreb-Länder setzen und mit guten sportlichen Leistungen zeigen, dass der Fußball im Vordergrund steht. Sami Allagui

Bei Tunesien herrscht noch das blanke Entsetzen nach der Tragödie in Ägypten vor, zu eng sind die Verbindungen zwischen den beiden Ländern. "Was dort passiert ist, macht uns sehr betroffen, viele haben Freunde in Ägypten und kennen einige Spieler", sagt der Mainzer Allagui.

Gegen Ghana treten die Tunesier stellvertretend für eine ganze Region an: "Wir als Tunesier wollen ein Zeichen für Maghreb-Länder setzen und mit guten sportlichen Leistungen zeigen, dass der Fußball im Vordergrund steht", sagt Allagui. "Ghana ist ein starker Gegner und sicherlich einer der Turnierfavoriten. Aber wir werden uns nicht verstecken. Ich habe ein sehr gutes Gefühl", sagt Hannovers Haggui. Aus der Bundesliga ist zudem noch Kölns Jenmal am Start.

Die Tunesier überzeugten besonders durch mannschaftliche Geschlossenheit, Alleingänge werden nicht geduldet. Dies musste auch der ehemalige Club-Profi Chedli erfahren, der mittlerweile aus dem Mannschaftsquartier abgereist ist: "Der Trainer und ich haben uns nichts mehr zu sagen", so der 35-Jährige, den Nationalcoach Sami Trabelsi bisher nicht einsetzte.

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