Schweiz: Stürmer ist Rekordtorschütze
Frei: "Man muss sich das größte Ziel setzen"
kicker: Herr Frei, Gratulation zum Rekord. Erleichtert, stolz, zusätzlich motiviert für die EM?
Alexander Frei: Erleichtert. Dieser Druck, immer darauf angesprochen zu werden, ist weg. Gut, dass es vor der EM passierte. Nun richtet sich der Fokus auf die Mannschaft. Die ist wichtig, nicht mein Rekord.
kicker: Der Schweizer Fußballverband steht als EM-Gastgeber vor der größten Herausforderung seiner Geschichte. Ist die Mannschaft für diese Extremsituation gerüstet?
Frei: Selbstverständlich. Wir haben gut gearbeitet in Lugano. Auch wenn die Slowakei und Liechtenstein als Gegner nicht vom gleichen Kaliber wie die bei der EM sind: Wir haben fünf Tore erzielt, keinen Treffer zugelassen. Wir werden am 7.Juni bereit sein.
kicker: Die Schweiz beklagte viel Verletzungspech. Wie fit ist die Elf ?
EURO 2008
Frei: Ich weiß nicht, ob es für diejenigen Spieler im Moment eine Wahrheit gibt. Wenn es schlecht läuft, sagt man, wir hatten zu viele drin. Läuft es gut, heißt es, sie sind spritzig, weil sie lange verletzt waren. Alles hängt vom Ergebnis ab.
kicker: Können Spieler mit langen Wettkampfpausen wirklich auf dem hohem Niveau sein, um mit den Besten in Europa mitzuhalten?
Frei: Ich hatte vier, fünf Monate Zeit, mein Niveau wiederzufinden. Das reichte.
kicker: Abwehrchef Patrick Müller war fast ein Jahr wegen Knieproblemen ohne Spielpraxis, ist gesetzt. Ein großes Risiko?
Frei: Müller ist Müller. Ist er fit, ist er ein Fixpunkt. Man weiß, was man an ihm hat, was er kann.
kicker: Also keine Bedenken?
Frei: Null Bedenken. Es kommt auf den Charakter jedes Einzelnen an, ob er wirklich Spielpraxis braucht oder eher der Typ ist, den du einfach ins kalte Wasser wirfst.
„ Als Kapitän habe ich aber die Aufgabe, ambitioniert zu sein und andere mitzureißen. Ich möchte Europameister werden. “ Alexander Frei
kicker: Mario Eggimann wurde aussortiert. Fühlen Sie mit ihm?
Frei: Natürlich. Mario war mein Zimmerkumpel, wir sind manchmal in den Ferien zusammen. Solche Momente sind brutal.
kicker: Sie, Diego Benaglio und andere Spieler sprechen vom Ziel, Europameister werden zu wollen. Ist dieses Selbstvertrauen auch eine Stärke des Schweizer Teams?
Frei: Man muss sich das größte Ziel setzen. Wenn ich nicht mit diesem Ziel ins Turnier gehe, dann kann ich zu Hause bleiben. Mir ist bewusst, wie schwer es realisierbar ist. Vielleicht wäre es schon ein Erfolg für uns, ins Viertelfinale zu kommen. Als Kapitän habe ich aber die Aufgabe, ambitioniert zu sein und andere mitzureißen. Ich möchte Europameister werden.
kicker: In ihrem Klub in Dortmund gab es einen Trainerwechsel. Was erwarten Sie von Jürgen Klopp?
Frei: Selbstverständlich habe ich alles verfolgt. Solange aber niemand vom Verein mit mir gesprochen hat, wie es weitergeht, äußere ich mich auch nicht.
kicker: Ihr Vertrag läuft bis 2010. Gibt es andere Überlegungen?
Frei: Ich habe es immer so gehalten, wenn der Moment kommt, sei es morgen oder in zwei Jahren, an dem ich weg möchte, dann gehe ich zu Herrn Zorc und sage: Ich gehe weg. Aber dieser Moment ist bis jetzt noch nicht gekommen.
Interview: Uli Gerke
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