Tschechien: Hoffnung bei Rosicky steigt
Kadlec: "Bis jetzt läuft es wie 1996"
Tschechien fiebert der Partie in Warschau entgegen. Das ganze Land hält den Atem an. Staatspräsident Vaclav Klaus, der sich sogar aus seinem Amtssitz, der Prager Burg, zu Wort meldete, oder Regierungschef Petr Necas schließt das mit ein. Anfängliche Kritik am umstrittenen Trainer Michal Bilek (47) oder am alternden Sturm-Star Milan Baros (30) ist verstummt. Die Erfolge gegen Griechenland (2:1) und Polen (1:0) haben die Medien versöhnt.
Ganz Tschechien träumt vom Halbfinale. Wie vor 16 Jahren. Auch damals startete das Team mit einer Niederlage in die Europameisterschaft (0:2 gegen Deutschland) - und kam sogar ins Endspiel (wieder gegen Deutschland, 1:2 nach Oliver Bierhoffs Golden Goal). "Bis jetzt läuft es wie 1996", sagt Kadlec, "wir hätten nichts dagegen, wenn es so weiterginge."
Steigen würden die Chancen mit Tomas Rosicky (31). Der frühere Dortmunder reiste am Montag zur Behandlung nach Prag und kehrte am Dienstag ins Teamquartier nach Breslau zurück. Physiotherapeut Pavel Kolar sagt: "Wir haben viel gearbeitet. Er hat eine kleine Entzündung in der Achillessehne. Es wird von Stunde zu Stunde besser." Es wird ein Wettlauf gegen die Zeit. "Die Chance ist ein wenig größer geworden. Wir entscheiden aber erst kurz vor Anpfiff, ob ich spielen kann", meinte Rosicky am Mittwochabend nach einer leichten Trainingseinheit. Sollte es für ihn nicht reichen, muss Daniel Kolar (26, Viktoria Plzen) wieder ran. Gegen Polen waren ihm Rosickys Schuhe deutlich zu groß.
Sivok: "Angst ist ein schlechter Ratgeber"
Die Favoritenrolle Portugals erkennen Tschechiens Fußballer an. Aber sie reisen nicht ins 320 Kilometer entfernte Warschau, um sich von Superstar Cristiano Ronaldo (27) Autogramme geben zu lassen. "Auch gegen Polen waren wir nicht die Favoriten. Das ist unsere Chance, und für diese Chance werden wir kämpfen", so Rosicky. Ob sie Angst vor den Portugiesen haben? "Angst", sagt Innenverteidiger Tomas Sivok (28, Besiktas Istanbul), "ist ein schlechter Ratgeber. Wenn wir mit Angst aufs Feld gehen, wird das Spiel schlecht ausgehen."
2008 in der Vorrunde der EURO ging das Spiel gegen Portugal schlecht aus. Tschechien verlor in Genf mit 1:3. Und fuhr nach der Vorrunde heim. Jetzt gehört die Mannschaft zu den besten acht in Europa. "Damit haben wir schon das Maximum erreicht. Es war unser Traum, die Gruppenphase zu überstehen", sagt Michal Kadlec, "was jetzt noch kommt, ist die Zugabe."
Vit Chalupa/Thomas Hennecke
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