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20.11.2012, 14:40

Fan-Forscher Pilz sieht keine zunehmende Fan-Gewalt

ZIS legt alarmierende Zahlen vor

In der Saison 2011/12 haben die Gewaltausbrüche im Umfeld der deutschen Profiligen zugenommen. Die am Montag von der Zentralen Informationsstelle Sporteinsätze (ZIS) vorgestellten Zahlen belegen Höchststände in den Kategorien der eingeleiteten Strafverfahren, der Verletzten und der durch die Polizei geleisteten Arbeitsstunden. Fan-Forscher Gunter A. Pilz betonte aber, die Zahlen im richtigen Kontext zu sehen.

Auseinandersetzungen am Rande des Derbys zwischen Dortmund und Schalke.
Auseinandersetzungen am Rande des Derbys zwischen Dortmund und Schalke.
© picture alliance Zoomansicht

"Ausschreitungen durch aggressive und gewaltbereite Personen in der Fußballfanszene bewegen sich seit Jahren auf einem ansteigend hohen Niveau", heißt es gut drei Wochen vor der angestrebten Verabschiedung des viel diskutierten Sicherheitskonzeptes der Deutschen Fußball Liga (DFL) in dem Bericht.

Demnach sind in der Saison 2011/12 8143 Strafverfahren eingeleitet worden. Gegenüber der Zahl aus der Spielzeit davor (5818) entspricht dies einer Steigerung von rund 40 Prozent, der langjährige Mittelwert wurde gar um 70 Prozent übertroffen. Der Anstieg sei einerseits "im Wesentlichen auf die bereits vor der Saison absehbare brisante Zusammensetzung der Zweiten Bundesliga zurückzuführen". Zum anderen entfiel ein Großteil des Zuwachses auf Ermittlungsverfahren wegen "Verstoßes gegen das Sprengstoff-Gesetz". Damit wurde auf das Abbrennen von Pyro-Technik reagiert.

Insgesamt wurden 1142 Personen im Umfeld der Spiele der beiden Bundesligen verletzt. Dies ist die höchste Zahl an Verletzten in den letzten zwölf Jahren. 235 der verletzten Personen waren Polizeibeamte und 514 Personen wurden den Störern zugerechnet. Insgesamt 393 Unbeteiligten kamen zu körperlichen Schaden.

In den für die Datenerfassung untersuchten 757 Spielen leisteten die Polizeibehörden der Bundesländer 1.365.557 Arbeitsstunden, was eine Zunahme von knapp 22 Prozent gegenüber dem Spieljahr zuvor entspricht. Generell registrierten die Behörden dabei "eine gesteigerte Aggressivität sowie eine Solidarisierung gegenüber den Ordnungsdiensten und den Einsatzkräften der Polizei".

Insgesamt 16.500 Fans unter den Anhängern der Vereine der ersten vier Ligen ordnet die Polizei als gewaltbereit ein. Dies entspricht einer Zunahme von zehn Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Die DFL baut trotz der alarmierenden Zahlen weiter auf einen Dialog mit den Fans: "Bei der Suche nach Lösungen helfen weder Dramatisierungen noch Verharmlosungen. Wir brauchen eine Versachlichung der Diskussion", teilte der Ligaverband am Montag in einer ersten Reaktion mit.

Am 12. Dezember soll in Frankfurt/Main das 32-seitige umstrittene Positionspapier "Sicheres Stadionerlebnis" verabschiedet werden. Die 36 Vereine der 1. und 2. Liga haben bis zum 22. November Zeit, das Konzept zu diskutieren und eventuell erneut nachzubessern. Die DFL appellierte am Montag in diesem Sinne an alle Beteiligte, "sich zu ihrer Verantwortung zu bekennen und entsprechend zu handeln: Vereine und Verbände genauso wie Politik und Polizei, aber natürlich auch die Fans selbst."

Beim DFB erklärte der Sicherheitsbeauftragte Hendrik Große Legert, dass man einer Entwicklung in manchen Bereichen "entschlossen entgegensteuern" müsse. Das komplexe Problem könne der DFB "nur gemeinsam mit der Liga, den Vereinen, der Polizei, der Justiz und den friedlichen Fans lösen".

Fan-Forscher Pilz sieht keine zunehmende Fan-Gewalt

DEr an der Universität Hannover lehrende Fan-Forscher Gunter A. Pilz sieht trotz der gestiegenen Zahlen keine Zunahme der Fan-Gewalt. Der Soziologe erklärte in einem Interview mit der "Braunschweiger Zeitung" (Dienstagausgabe), man müsse die Ergebnisse der am Montag veröffentlichten Erhebung "relativieren".

"Die Erhebung ist in einer Zeit passiert, in der es massive Protestaktionen der Fans zum Thema Pyrotechnik gab, die die Polizei mit einer harten Linie mit Pfefferspray-Einsatz beantwortet hat", erklärte Pilz. Insofern seien die Zahlen "eine Momentaufnahme" und würden "keinen langfristigen Trend" anzeigen.

Wie zuvor der DFB und die DFL plädierte Pilz für die Versachlichung des Dialogs zwischen Fans, Vereinen, Verbänden, Sicherheitskräften sowie der Politik. Der Weg der Deeskalation und Kommunikation sinnvoller als eine weitere "Aufrüstung" der Polizei.

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