MSN Sport
28.07.2012, 14:36

Hoffenheim: Torhüter als Hoffnungsträger

Wiese: "Babbel ist ein cooler Typ"

Er ist Hoffenheims prominentester Neuzugang: Nationalkeeper Tim Wiese (30) äußert sich im Interview über Ziele, seinen Ex-Klub Werder Bremen, seine weitere Karriere in der Nationalmannschaft und seinen Coach.

Tim Wiese
Die neue Nummer eins im Hoffenheimer Tor: Tim Wiese.
© picture-alliance Zoomansicht

kicker: Sie sind lieber ab sofort die Nummer 1 in Hoffenheim als möglicherweise die Nummer 2 bei Real Madrid. Hat da nur der Familienvater entschieden oder scheuten Sie auch das Risiko, Herr Wiese?

Tim Wiese: Ich hatte ein gutes Gespräch mit José Mourinho, bei Real wäre es eine 50:50-Situation gewesen. Iker Casillas ist eine Ikone dort. Aber ich weiß, was ich an Deutschland habe. Auch in Hoffenheim sind alle Voraussetzungen da, um die nächsten Jahre erfolgreich zu sein.

kicker: Aber ein Mourinho ruft nicht jede Woche an. War das nicht eine einmalige Chance?

Wiese: Ja, schon. Aber die habe ich hier mit Hoffenheim auch.

kicker: Die Europa League wird von der TSG als Ziel ausgegeben. Reicht das einem wie Ihnen, der schon Champions League gespielt hat?

Wiese: Der Verein geht jetzt in seine fünfte Bundesligasaison. Also ist das ein gutes Ziel. Das ist ein super Verein, sonst hätte ich nicht unterschrieben. Das Trainingszentrum ist schon Champions-League-reif, jetzt wollen wir auch in Zukunft am Wettbewerb schnuppern.

kicker: Ihr Vorgänger Tom Starke sag-
te, er könne Ihre Verpflichtung nicht verstehen. Waren Sie verwundert?

Wiese: Das interessiert mich nicht.

kicker: Nach Ihrem Wechsel gab es Proteste - Sie meinten, man müsse sich "überall beweisen". Ist Manuel Neuer da ein Vorbild für Sie, der sich in München gegen noch größere Widerstände behauptet hat?

Wiese: Darüber mache ich mir keine Gedanken. Ich bin fokussiert aufs Gewinnen. Wir können hier Großes erreichen, aber dazu müssen Fans und Team eine Einheit sein.

kicker: Sie sagten, Sie seien bereit fürs Kapitänsamt - wäre das eine professionelle Aufgabe, der Sie nachkämen, oder eine Ehre?

Wiese: Es ist völlig egal, wer Kapitän wird. Jeder muss sich einbringen, das Team führen und seinen Beitrag zum Erfolg leisten, ich auch.

kicker: Sie sollen dem Team Leben und Siegermentalität einimpfen, wünscht sich der Trainer. Wie machen Sie das?

Wiese: Die Reaktionen auf Rückschläge sind ganz wichtig. Ich bin im Spiel total fokussiert, habe da auch schon mal Leute geschüttelt, mich später entschuldigt. Ich versuche eben, Signale zu setzen.

kicker: Markus Babbel habe Sie vom Wechsel zur TSG überzeugt, erzählten Sie. Wie hat er das geschafft?

Wiese: Er ist einfach ein cooler Typ, ein junger Trainer, und die rücken jetzt immer mehr in den Vordergrund. Da reizt mich die Zusammenarbeit. Er hat mir seine Ziele verraten, mehr möchte ich dazu nicht sagen. Nur so viel: Er hat Großes vor.

kicker: Wie fühlen Sie sich denn als Hoffnungsträger Nummer 1?

Wiese: Bin ich das denn?

kicker: Sie sind als deutscher Nationaltorwart wohl der prominenteste Neuzugang der TSG.

Wiese: Ich gebe immer mein Bestes, mein Status ist mir dabei egal.

kicker: Sie sind sehr ehrgeizig - wie schwer ist es Ihnen gefallen, bei der EM den "Gute-Laune-Torwart" als Nummer 2 zu spielen?

Wiese: Das war nicht schwierig. Es kann eben nur einer spielen, Deutschland ist ein Torwartland, ich bin seit vier Jahren dabei. Auch im Training kann man die Jungs mitreißen. Man muss auch so eine Rolle mal akzeptieren. Und der Bundestrainer hat mir Respekt dafür gezollt, wie ich damit umgehe.

kicker: Was macht Sie zuversichtlich bei den vielen guten, auch jüngeren Keepern, die nachrücken - wie Leno, Zieler, ter Stegen - weiter im Kreis der Nationalelf zu bleiben?

Wiese: Ich habe viel Erfahrung, das ist das A und O. Man muss Konstanz zeigen, das ist wichtig, und das habe ich zehn Jahre lang getan. Als Junger wird man schnell hochgelobt, aber es kommen Rückschläge, wie bei mir: zwei Kreuzbandrisse. Aber ich bin gestärkt daraus hervorgegangen.

kicker: Also haben Sie keine Bedenken, dass Sie nicht mehr dabei sein könnten?

Wiese: Warum sollte ich denn?

kicker: Weil man auf die Idee kommen könnte, dass nach der EM ein Schnitt gemacht wird.

Wiese: Dann müssten sich die anderen schon anstrengen.

kicker: Was lief schief gegen Italien?

Wiese: Die haben uns den Schneid abgekauft, waren aggressiver. Wir haben ein gutes Turnier gespielt, leider nicht in diesem Halbfinale.

kicker: Oliver Kahn sagte nach 2006, ohne dabei Kritik an Jens Lehmann üben zu wollen, er hätte das Gefühl gehabt, Deutschland hätte mit ihm im Tor den Titel geholt. Hatten Sie ähnliche Gedanken auf der Bank?

Wiese: Nein. Und ich glaube auch nicht, dass ich die Bälle gegen Italien hätte halten können. Die waren schon gut.

kicker: Noch mal zur TSG: Landen Sie mit Ihrem neuen Klub vor Ihrem alten Verein aus Bremen?

Wiese: Das hoffe ich natürlich.

kicker: Und was macht Sie da zuversichtlich?

Wiese: Ich denke, dass wir mehr Potenzial haben. Früher war Bremen eine ganz große Mannschaft, jetzt erlebt man einen Umbruch. Aber ich bin jetzt in Hoffenheim, nur das zählt für mich.

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weitere Infos zu Babbel

Vorname:Markus
Nachname:Babbel
Nation: Deutschland
Verein:1899 Hoffenheim

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weitere Infos zu Wiese

Vorname:Tim
Nachname:Wiese
Nation: Deutschland
Verein:1899 Hoffenheim
Geboren am:17.12.1981

Vereinsdaten

Vereinsname:1899 Hoffenheim
Gründungsdatum:01.07.1899
Mitglieder:5.700 (30.06.2012)
Vereinsfarben:Blau-Weiß
Anschrift:TSG 1899 Hoffenheim Fußball-Spielbetriebs GmbH
Dietmar-Hopp-Sportpark
Horrenberger Straße 58
74939 Zuzenhausen
Telefon: (0 72 61) 94 93 0
Telefax: (0 72 61) 94 93 102
Internet:http://www.achtzehn99.de

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Polanski, EugenMittelfeld25.01.2013

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