MSN Sport
29.10.2012, 20:00

Sven Felski erlebt den "schwersten Tag" seiner Karriere

Der Bürgermeister tritt zurück

Die Eisbären Berlin ohne Sven Felski? Eigentlich unvorstellbar. Der Stürmer stand in allen 20 Jahren seiner Karriere ausschließlich für die Hauptstädter auf dem Eis und überzeugte nicht nur mit seinen spielerischen Fähigkeiten, sondern auch mit einer außergewöhnlichen Charakterstärke. Felski, der auch "Bürgermeister" genannt wurde, gab am Montagnachmittag unter Tränen sein Karriereende bekannt. Eine schwere Knieverletzung bremst den 37-Jährigen aus.

Sven Felski
Unter Tränen und mit erstickter Stimme verkündete Sven Felski am Montag seinen Rücktritt.
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Sven Felski war als Kämpfernatur bekannt. Ein knallharter Stürmer, der keinen Zweikampf scheute, dahin ging, wo es weh tat und auch gerne mal ordentlich dazwischen haute. Auch charakterlich war der 37-Jährige stets geradlinig, treu und führungsstark. Nicht zuletzt deshalb nannte man den Ur-Berliner auch "Bürgermeister".

Am Montagnachmittag bekam man einen anderen Felski zu sehen. Mit Tränen in den Augen und erstickter Stimme verkündete er seinen Rücktritt. "Das ist der schwerste Tag in meiner Karriere. Es fällt mir schwer, weil ich den Sport liebe und lebe", so Felski.

Diese schwere Entscheidung fällte Felski auf ärztliches Anraten. Die medizinische Abteilung hatte eine Instabilität im Knie festgestellt. Bei einer Fortsetzung seiner aktiven Spielerkarriere hätten dem 37-Jährigen schwere Folgeschäden gedroht. "Das Risiko ist einfach zu groß, dass ich irgenwann vielleicht nicht mehr richtig laufen kann", so der Berliner.

Das ist der schwerste Tag in meiner Karriere Sven Felski

Felski wurde am 18. November 1974 in Berlin geboren. Seinen ersten Kontakt mit der Eisfläche machte er schon mit vier Jahren, allerdings auf eine eher ungewöhnliche Art und Weise: als Eiskunstläufer. "Sprünge waren kein Thema, aber die künstlerische Ader war bei mir nur sehr begrenzt vorhanden", erklärte Felski. Also legte der Stürmer die Ausrüstung an, nahm einen Schläger in die Hand und wurde zu einen der prägendsten Figuren im deutschen Eishockey.

Am 13. November bestritt der Linksschütze sein erstes Spiel für den SC Dynamo Berlin, der Vorgänger-Klub der heutigen Eisbären. Den Verein sollte "Felle" in seiner 20-jährigen Karriere aber nie verlassen und sah 19 Trainer kommen und gehen. "Anfangs waren wir Fischfutter", erinnert sich Felski. 1.000 Einsätze und 232 Tore später wurde er sechsmal deutscher Eishockey-Meister. Auch in der Nationalmannschaft waren seine Dienste gefragt. Insgesamt kam er auf 67 Länderspiele (sechs Tore).

Unvergessliche Rücktritte

Sven Felski
Der sechste Meistertitel im 1.000. Spiel: Sven Felski mit dem DEL-Pokal.
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Die aktive Karriere hinterließ aber auch Spuren bei Felski, der nicht nur gerne harte Checks austeilte, sondern auch einstecken musste. Eine Vielzahl von Verletzungen waren die Folge. Darunter auch ein Kreuzband- und Innenbandriss sowie Meniskusschäden im Knie. Ein bei der WM 2003 in Helsinki erlittener Kreuzbandriss zeigte bis heute negative Nachwirkungen. Die einzig logische Konsequenz: Karriereende.

Von der Eisfläche tritt der "Bürgermeister" dennoch mit einem großen Knall ab. Schon beim Rücktritt aus der Nationalmannschaft erwischte er den perfekten Zeitpunkt: Bei der Heim-WM 2010 war er tragende Stütze des Eishockeywunders und trat nach dem verlorenen Spiel um Platz drei gegen Schweden (1:3) ab.

Auch seine letzte Partie im Eisbären-Trikot wird unvergessen bleiben: In seinem tausendsten Spiel für die Berliner schlug er im fünften Finalspiel die Adler Mannheim mit 3:1, wurde damit zum sechsten Mal deutscher Meister und durfte den DEL-Meisterpokal in der eigenen Halle in die Höhe stemmen. "Zum ersten Mal in Berlin, mein 1000. Spiel - das ist einfach unbeschreiblich. Das ist eine einmalige Sache, total geil", freute sich der 37-Jährige damals. 188 Tage nach seinem Jubiläumsspiel erklärte Felski nun das Ende seiner aktiven Karriere.

Flynn: "Keiner hat mehr geleistet als er"

Sven Felski
Mittendrin statt nur dabei: Sven Felski (Nummer 11) ging dahin, wo es weh tut.
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"Sein Rücktritt ist für das ganze deutsche Eishockey traurig. Er war nicht nur einer der prägenden Spieler der letzten Jahre sondern auch ein Typ", sagte DEB-Präsident Uwe Harnos. "Felle ist ein Vorbild. Kein Spieler hat für seinen Klub in der Stadt Berlin mehr geleistet als er", so Eisbären-Geschäftsführer Billy Flynn. Auch DEB-Sportdirektor Franz Reindl stimmte mit ein: "Er war einer der Leistungsträger, die uns nach oben gebracht haben. Leute wie ihn müssen wir auf alle Fälle im Eishockey behalten."

Und genau das hat Felski auch vor: er will den Eisbären und damit auch dem Eishockey erhalten bleiben. Der Ur-Berliner will sowohl in den Nachwuchsbereich als auch ins Management hineinschnuppern. "In zwei bis drei Jahren weiß ich dann, was mir am besten gefällt. Ich muss auch an meine Familie denken, denn die musste sehr oft zurückstecken."

Der Klub gab bekannt, dass Felskis Rückennummer 11 zukünftig nicht mehr vergeben wird. Bei einem noch nicht terminierten Abschiedsspiel soll sein Trikot dann auch unter das Stadiondach gezogen werden.


Weitere Stimmen zum Felski-Rücktritt

DEL-Geschäftsführer Gernot Tripcke: "Sven Felski war ein super Spieler und ein Original, das auch über die Grenzen von Berlin heraus bekannt ist. Er war auch vor allem durch seine Bodenständigkeit ein Vorbild."
Eisbären-Verteidiger Jens Baxmann: "Er ist der Spieler, der sich mit dem Verein mehr identifiziert als jeder andere. Er ist nicht nur sportlich auf dem Eis herausragend, sondern Mensch geblieben."

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Vereinsdaten

Vereinsname:Eisbären Berlin
Anschrift:EHC Eisbären Management GmbH
Friedrichstr. 76, 10117 Berlin
Telefon: 030 - 971840 - 0
Fax: 030 - 97184050
E-mail: info@eisbaeren.de
Internet:http://www.eisbaeren.de/

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